Der Weg ist das Ziel – nur selten ist eine lebensphilosophische Maxime
mit so viel Phantasie und mit einer solchen Langzeitenergie in Klänge
umgesetzt worden wie im Spiel der Gruppe Embryo. In Bewegung zu sein
bedeutet für die Band, die Musik im Prozess des Improvisierens ständig
neu zu erfinden, zugleich aber auch im buchstäblichen Sinne auf Reisen
zu gehen und im Austausch mit anderen Kulturen musikalisch zu wachsen.
Die 1969 entstandene Keimzelle wurde von Anfang an von einer
kollektiven Kraft genährt. Embryo gleicht einer Großfamilie ohne
Gruppenzwang, die sich ständig erneuert. Aus dem Jazzrock der
Anfangsjahre erwuchs eine weltmusikalische Orientierung, die den
Modewellen fern steht und dem Kommerz entsagt. Embryos Ende der
siebziger Jahre auf dem Landweg unternommene Reise nach Indien zählt
bereits zu den musikalischen Mythen der Gegenwart. Doch die Karawane um
Christian Burchard zieht weiter – keiner anderen Moral verpflichtet als
der eines gleichberechtigten Gebens und Nehmens. Embryo ist keine
Musikrichtung, sondern eine Lebensform.
